der kranke riese

der suedfranzoesische dichter rene char ist in deutschland -obwohl auch paul celan zu seinen hiesigen uebersetzern gehoert- hauptsaechlich durch die arbeiten der dichter johannes huebner und lothar kluenner bekannt geworden. in ihren (bisher unveroeffentlichten) briefen an die berliner malerin jeanne mammen, berichten beide von dem gewaltigen eindruck, den char auf sie machte. interessant ist dabei, dass char, der grosse dichter der gesundheit und der vitalen menschlichkeit, der noch sechs jahre zuvor gegen die nazis gekaempft hatte, offensichtlich sehr krank war. in einem brief vom 17.8.1951, den huebner aus chars geburtsort ‚l’isle-sur-la-sorgue‘ schrieb, heisst es:

„…dieser gutmuetige und grandiose riese, der aussieht, als sei er alles in einem: dichter, bauer, arzt, vagabund, feldherr und was weiss ich was, ist -und das ist wirklich eine entsetzliche ironie des schicksals, eine art tantalus-strafe fuer den, der von den gespraechen der goetter zu viel erzaehlte-sehr krank: er (der wie keiner den ‚homme[?] debout‘ repraesentiert, auch personellement) kann kaum gerade gehen vor rheumatismus, hat fast staendig neuralgische kopfschmerzen, kann nicht schlafen, etc. etc. zur zeit macht er in paris in einer klink irgend so eine bestrahlungsbehandlung durch. wenn er damit fertig ist, will er nach l’isle kommen.“

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