okzitopia

die okzitanische identitaet besteht weitestgehend aus einer erfindung von romantischen intellektuellen und der realitaet der dickkopefingkeit der laendlichen bevoelkerung, welche sich seit jahrhunderten weigert ihre sprache und kultur aufzugeben. die nicht-existens dieses landes hat es ermoeglicht seine identitaet bis heute offen zu halten. auch die spuren aus der vergangenheit (etwa die hochkultur der torbadors), welche man immer wieder als ausgangspunkte fuer die zukunft beschwoert, stehen im zeichen dieser offenheit (schliesslich spielte etwa die arabische kultur schon im mittelalter fuer diesem raum eine bedeutende rolle). zwar gibt es auch hier einige wirrkoepfe und rechtsradikale, die sich im zeichen des katharerkeuzes einen eingemauerten landstrich schaffen wollen, aber diese stehen damit so sehr im widerspruch du den werten der ‚eigenen‘ vergangenheit, dass sie getrost ignoriert werden koennen. dennoch bleibt eins festzuhalten: die kraft der okzitanischen idee besteht in ihrem widerspruch zur aktuellen real-lage. dieser widerspruch muss bestehen bleiben. die idee wuerde in dem moment sterben, in dem sie wirklichkeit werden wuerde. im fall einer politischen separation etwa, wuerde aus der idee einer okzitanischen identitaet das gefaengnis einer okzitanischen identitaet werden. denn, seien wir ehrlich mit uns, ueberall da, wo man ‚ganz bei sich ist‘, wo man sich in eine identitaet einschiesst und wo man eine weltkarte hat die nicht ueber den eigenen bauchnabel hinausweist, da sind idiotie, langeweile und allgemeine enggeistigkeit zu hause. da gibt es weder inovation, noch revolution, noch lebendige tradition.

der aus okzitanien stammende liedermacher george brassens machte sich nicht umsonst in seiner „ballade des gens qui sont nés quelque part“ (ballade ueber die leute, die irgendwo geboren sind) ueber die „gluecklichen idioten, die irgendwo geboren sind“ lustig (er nennt darin uebrigens auch seinen eigenen geburtsort sète):

c’est vrai qu’ils sont plaisants tous ces petits villages
tous ces bourgs, ces hameaux, ces lieux-dits, ces cités
avec leurs châteaux forts, leurs églises, leurs plages
ils n’ont qu’un seul point faible et c’est être habités
et c’est être habités par des gens qui regardent
le reste avec mépris du haut de leurs remparts
la race des chauvins, des porteurs de cocardes
les imbéciles heureux qui sont nés quelque part
les imbéciles heureux qui sont nés quelque part

die kulturell interessantesten orte waren schon immer die der exilierten und der diaspora. zu nennen sind etwa die flecken des amerikanischen doppelkontinents, wo sich ehemaldige sklaven niederliessen und die musik revolutionierten oder das deutschland hoelderlins, welches bis jetzt ebenfalls der nirgendsort des besseren teils der hiesigen geistesgeschichte geblieben ist.

nieder mit der realen gegenwart!

es lebe die tradition der zukunft!

dieu que fetz tot quant ve ni vai / e formet cest‘ amor de lonh!

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