pablo neruda – der marx lateinamerikas

 

por mis compañeros

karl marx kann wohl nicht als „poetische seele“ bezeichnet werden. sicherlich ist das „kommunistische manifest“ ein stilistisches meisterwerk, sicherlich war er ein passionierter leser der literatur, ein bewunderer goethes und heines, doch sein weltentwurf- der kommunismus- war fuer ihn keine frage von sentimentalitaet oder humanitaet, sondern ein unaufhaltsam aus der zukunft kommender angriff auf den gegenwaertigen gesellschaftszustand. eine rational begruendbare prophezeiung. es ging ihm nicht um die einzelschicksale der elenden oder eine materialistische form der naechstenliebe, sondern schlicht und einfach um deterministische wissenschaft. karl marx war keine dichterseele.

pablo neruda war die reinste dichterseele. er besang alles und alles wurde unter seinen haenden zu poesie. in den „odas elementales“ besingt er u.a. das feuer, die hoffnung, den faden, die zwiebel, die socken, den september, die kartoffel und einen toten millionaer. in seinem hauptwerk, dem „canto general“, hat er den lateinamerikanischen kontinent noch einmal (in versen) erschaffen. dabei ist er jedoch nie banal -und wenn, dann ist es beabsichtigt- weil er gerade die banalitaet des lebens besingen wollte. doch pablo neruda war ein politischer dichter, ein kommunist. ein freund salvador allende und ein international denkender patriot. wenig hat ihn so sehr angewidert wie die s.g. „poesie pure“, eine dichtung, sie nichts mit der wirklichkeit zu tun haben will und sich lieber in pseudoaristokratischen hoehen verirrt. seine poetisches credo der „poesie impure“ lautete:

„so soll die dichtung sein, die wir suchen, von handarbeit abgenuetzt wie von saeure, von schweiss und dunst durchzogen, von dem geruch nach urin und nach lilie, die befleckt ist von allen innerhalb und ausserhalb des gesetzes ausgeuebten berufen. eine dichtung, unrein wie ein kleid, wie ein koerper, mit essensflecken und obszoenen gesten, mit falten, beobachtungen, traeumen, durchwachter nacht, prophezeiungen, liebes- und hasserklaerungen, bestien, stoessen, idyllen, politischen ueberzeugungen, verneinungen, zweifeln, bejahungen, steuern“ -kurz weltdichtung.

doch nerdas dichtung bleibt nicht dabei stehen die welt in sich einzuschliessen, sie draengt auch in die welt hinaus, ruft dazu auf diese umzugestalten. sie ist solitarische dichtung, solidarisch mit allen geschlagen und elenden wesen, solidarisch mit allen stolzen und kaempfenden wesen:

„um geboren zu werden, wurde ich geboren, um den gang einzuschliessen all dessen, was nahe kommt, was an meine brust schlaegt wie ein neues, bebendes herz.“

vielleicht stimmen die geschichten die erzaehlen, dass nerudas „canto general“ das -nach der bibel- bekannteste buch des kontinentes ist, dass auch die aermsten der armen einige seiner verse auswendig aufsagen koennen, dass seine poesie noch heute einen grossteil der menschen auf eine bessere zukunft hoffen laesst. eine zukunft, die nicht wie bei marx bedrohlich auf uns zuzurollen scheint, sondern uns mit einem menschliches antlitz entgegenschaut.

so zeit, vergebens also

hast du mich ermessen,

vegebens so verstreichst du,

wege vorlaufend

dem irrenden.

vor einer einzigen tuer

verbrachte ich die ganze nacht,

singend, ein einsamer.

und

da abnimmt nun dein licht,

ein tier, das hineilt,

ins dunkle sich verliert,

sagst du mir

in mein ohr,

was du mich nie gelehrt hast,

was ich immer wusste.

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