an corto maltese

pour aurel

corto maltese, der kapitaen ohne schiff, der phlegmatische abenteurer, der bindungslose frauenheld und ewig suchende gluecksritter ist wohl eine der beeindruckensten figuren der weltliteratur. dieser sind seine fahrten und erlebnisse auch in einer anderen hinsicht zuzurechnen: malteses geistiger vater hugo pratt schuf ein werk, in dem die verschiedensten stimmen aller erdenklichen erdteile zur sprache kommen. er erfand damit eine form der weltliteratur, die jenseits des eurozentrismus steht. sein werk feiert dabei die vielfalt, das mestizentum und das geheimnis ohne diese einer bestimmten ideologie, moral oder weltanschauung unterzuordnen.

Mestize und Romantiker

corto maltese ist ein mestize. als heimatloser seemann fuehlt er sich keiner nation, keiner weltanschauung und keiner einzelkultur verpflichtet. sein individualismus geht so weit, dass er sich seine glueckslinie selbst mit einem messer in die hand geschnitten hat. er lebt und wirkt zwar in den wirren des  ersten weltkrieges, steht jedoch nie eindeutig auf einer seite. wenn er doch einmal in einen konflikt eingreift, dann schlaegt er sich immer auf die seite der unterdrueckten, der einzelgaenger oder der verrueckten. fuer ihn gibt es nicht „die moral“ oder „die wahrheit“. als strenger nominalist weigert er sich stets die dinge nur auf eine art und weise zu sehen

er ist aber ganz das gegenteil eines nihilisten. obwohl er immer wieder auf der suche nach bestimmten schaetzen ist, bedeutet ihm der reichtum nichts und das abenteuer alles. dabei bleibt er immer nur seiner romantisch-idealistischen haltung treu

in cortos welt ist der krieg als ganzes immer sinnlos und grausam. dennoch zaehlt der mut des einzelnen. auf allen kriegsfuehrenden seiten (auch auf der deutschen) wird mut und heldenhaftigkeit gezeigt. pratt und maltese haben eine vorstellung von ritterlichkeit die vielleicht naiv ist, als solche jedoch auch im werk selbst ironisiert wird. ein beispiel dafuer ist die geschichte „die lagune der schoenen traume“, die sicherlich zu den besten kriegsgeschichten der literatur gehoert.

auch die nichteuropaeischen voelker (seien es die aethiopier, die indianer des amazonas oder die inselbewohner der suedsee) treten als selbststaendige akteure in den wirren des weltkrieges auf. diese kaempfen jedoch ihre eigenen kriege und bedienen sich dabei oftmals der naiven weissen als ihrer ahnungslosen marionetten. doch vor allem sind es grenzgaenger und mischinge, die immer wieder in den vordergrund treten. die europaeer und ihre nationale engstirnigkeit  werden dabei stets karikiert und laecherlich gemacht

corto maltese weiss mit nietzsche, dass das leben bewegung,  dass kultur vermischung ist und dass der kult um reinheit und auserwaehltheit der welt als ganzen in keiner weise gerecht wird

Schoenheit und Geheimnis

die welt von corto maltese ist ganz sinnlich. die schoenheit wird als das groesste aller raetsel niemals in frage gestellt. corto begegnet in seinem abenteuern unzaehligen schoenen frauen, bindet sich jedoch nie. sie behalten ihre geheimnisse fuer sich und sind damit meistens allen anderen handelnden figuren -inklusive maltese selbst- ueberlegen. der held  kommt bei den verschiedenen schoenheiten wohl nicht nur wegen seines aussehens so gut an, sondern auch weil er -und wo gibt es das schon in der maennlich dominierten comicwelt- alles andere als ein macho ist. er respektiert  das weibliche geheimnis viel mehr, als dass er es mit gewalt loesen will.

obwohl corto maltese als archetyp des maennlichen helden gesehen werden kann, ist damit in keiner hinsicht ein herrschaftsanspruch verbunden. oder ist die form des magischen pilzes, dem corto in seinem abenteuer im „reich mu“ eine ironische absage erteilt ein zufall?

am ende bleibt immer alles raetsel. jedes abenteuer beginnt mit einer suche, doch keines endet mit einem fund. schon hoelderlin wusste: „wir sind nichts; was wir suchen ist alles“. auch maltese weiss dies nur zu gut; immer wieder gibt er seine urspruenglichen plaene auf, verliert sich in scheinbaren nebengeschichten, aendert seine meinung, verliebt sich… beginnt von vorne. immer bleibt er dabei unabhaengig, da er in einem abenteuer sein gedaechtnis verliert auch von sich selbst.

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