rempaira

 

guido guinizelli (1230 – 1276), italienischer dichter des dolce stil novo und vorbild dantes, verwendet in seinem lied  al cor gentil rempaira sempre amore das provanzalische wort fuer „heimkehren“ („rempaira“). der fluechtige kenner der mittelalterliches welt, fuer den diese die dunkelheit zwischen dem licht der antike und der helligkeit der renaissance darstellt, wird die heimat dieser menschen wohl nur in einer christlichen jenseitigkeit vermuten koennen. hierbei uebersieht er aber, dass das licht der antike, das licht der mittelmeerischen welt und der „grossen gesundheit“ (nietzsche) -wenn auch gebrochen – selbst das dunkelste mittelalter erhellt hat.

zeitsprung.

ezra pound, der amerikanische dichter, der in seinen cantos dieses europaeische erbe wieder fruchtbar machen wollte, hat in seinem aufsatz „mediavalismus“ (den r.m.gerhardt fuer seine zeitschrift „fragmente“ erstmals uebersetzte), versucht darzustellen, warum ein anderer guido dieser zeit und dichterschule (dantes freund guido cavalcanti naemlich) als gegner der koerper- und weltfeindlichkeit einer religioes-pathologischen askese gelesen werden kann. pound sieht in dessen werk, ebenso wie in den arbeiten der antiken kuenstler, den willen zur „klaren linie“, den wunsch nach dem massvollen ausdruck. wie goethe, hoelderlin und george haben sie versucht, den menschen als ein durch die liebe verwandel- und veredelbares wesen darzustellen. die dunklen und sinnesfeindlichen tenzenden des mittelalters hat pound -der niemals in linearen zeitkategorien denken wollte- auch in der moderne feststellen koennen:

„…es ist nicht der koerper, sondern seine gebrechen und krankheiten, die boese sind. die gleiche feststellung gilt fuer den geist; die infektionen des geistes sind nicht weniger graesslich als die des koerpers. in der tat, eines mannes zahnschmerzen belaestigen ihn selbst, aber ein narr belaestigt die ganze gesellschaft.“

fest steht, das nur jener auf der erde heimisch werden kann, der es auch in seinem koerper ist. der geist darf dabei jedoch nicht als widersacher, sondern nur als ausduckmittel der seele verstanden werden. die einheit von koerper und seele („kalokagathia“) wiederum, war nicht nur das grundthema platons (z.b. im symposium), sondern auch das der trobadors suedfrankreichs und der dichter norditaliens. und das im dunklen mittelalter! wie steht es heute um unsere heimkunft?

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