europa: hammer oder amboss?

serge d. mangin, ein mittelmaessig begabter franzoesischer bildhauer, kann fuer sich den zweifelhaften ruhm beanspruchen, neben ernst juenger und pavarotti, auch helmut kohl und george bush I (er interpretiert ironischerweise seine kunst als „ein widerstand gegen den verrat des philosophischen erbes zugunsten wirtschaftlicher interessen“) in dauerhaftes bronze gegossen zu haben. seine hier abgebildete vision des maurenbezwingers karl martell (688-741), wirkt mit ihrem patronengurt und ihrem prophetischen gehabe wie ein sinnbild des bewaffneten arms der sarrazin-partei.

obwohl sich mangin als ein den zeitgeist bekaempfenden anarchen versteht, schein es an auftraegen aus der kulturindustrie nicht zu fehlen, so weiss die immer wieder um die verhinderung des kulturverfalls bemuehte bildzeitung zu berichten: „auch auf dem millionen fernsehzuschauern bekannten „traumschiff“, der ms „deutschland“, sind einige seiner skulpturen und portraets zu sehen.“ aber ein kuenstler muss ja – auch wenn er wie mengin ein freund der kargen kost spartas ist- irgendwie leben koennen. doch selbst wenn wir ihm zugestehen, dass es sich bei kohl und bush um blosse auftrags- und brotarbeiten handelte, dreangt sich der verdacht auf, dass der hier dargestellte „retter des abendlandes“ im grunde nicht mehr viel zu verteidigen hat. vielleicht waere es ja auch fuer die europaeische kultur fruchtbar, wenn das traumschiff ein mal durch somalische gewaesser schippern wuerde.

ernst juenger merkte zu recht an, dass mangins karl „mehr betend als drohend wirke“, die gesamte figur ist vielleicht nur ein ausdruck jener „angst des weissen mannes“, die nicht nur den greisen kriegsfreund peter scholl-latour quaelt, sondern auch von jean raspail in seinem sowohl spannend, als auch rassistischen roman „le camp des saints“ behandelt wurde:

der ganze komplex beruht auf dem ressentiment einer enggeistigkeit, die leider auch eine tradition dieses kontinents ist. dabei hat europa zwar das glueck viele herzen zu haben, doch schlaegt sein kraeftigstes am mittelmeer und die europaeische kutur ist daher ein palimpsest, durch welches das erbe der gesamten mittelmeerkultur immer wieder hindurchscheint. die schrift, die dann zu lesen ist, ist sowohl griechisch, als auch arabisch.

die groessten geister haben dies immer gewusst: der „gute europaeer“ friedrich nietzsche etwa -der auch ein heiliger mangins ist- hat martell verflucht, weil dieser europa durch seinen sieg in der schlacht bei cenon um eine zweite renaissance gebracht hat.

europa verdankt der arabischen welt vieles. das konzept der liebe ist beispielsweise wahrscheinlich in dessen kulturraum entwickelt worden und wurde dann erst durch die trobador in suedfrankreich und ueber die deutschen minnesaenger in das gesamteuropaeische gemueth eingeschieben. dies konnte jedoch nur geschehen, weil die europaeische seele polylibristisch ist. so kann -solange es uns gute europaeische heiden noch geben wird- der koran hier nur ein heiliges buch neben anderen heiligen buechern sein -und bleiben.

die aufgabe und sendung deutschlands innerhalb europas hat auch der dichter hoelderlin -leider kontraer zur bisherigen geschichtlichen entwicklung- nicht in der martialischen pose von mangins karl gesehen:

doch in der mitte der zeit
lebt ruhig mit geweihter
jungfräulicher erde der aether,
und gerne, zur erinnerung, sind
die unbeduerftigen, sie
gastfreundlich bei den unbeduerftgen
bei deinen feiertagen,
germania, wo du priesterin bist
und WEHRLOS rat gibst rings
den koenigen und den voelkern.

und der bildhauer selbst merkt, im hinblick auf den menschen und der ihn darstellenden kunst, an anderer stelle an:

„das menschliche antlitz birgt den schluessel zu einer zerstoereischen kraft ohnegleichen, einer graumsamkeit, fuer die es im tierreich keine entsprechung gibt; es enthaelt aber auch den schluessel zu der unuebertroffenen anmut eines maedchengesichtes.“

wollen wir hoffen, dass europa immer dessen eingedenkt, dass es zwar von einem stier getragen wurde, selbst jedoch ein maedchen mit -vielleicht- anmutigem gesicht war:


mangins netzseite: http://mangin.typo3.ip-connect.de/

mangin und die „vaeter der einheit“: http://www.youtube.com/watch?v=PmlXHpnj8Cw

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