daseinsverfehlung II

jacob epsteins skulptur rock drill, die den betrachter nicht ohne grund an eine figur aus einem science-fiction film erinnern wird, ist die wohl erste darstellung eines roboters in der modernen plastischen kunst. es ist erstaunlich, dass dieses werk nun schon fast 100 jahre alt ist und noch immer derart visionaer anmutet, gibt es doch sonst wenig, was so schnell antiquiert wirkt, wie die zukunftsvorstellung von menschen aus der vergangenheit.

epstein stand in dieser phase seines schaffens der bewegung des „vortizismus“ nahe, die von vielen kritikern als englisches pendant zum italienischen futurismus bezeichnet wird. der dichter ezra pound schrieb -als einer der sprecher dieser bewegung- rueckblickend “ marinetti und der futurismus haben der ganzen europaeischen literatur einen grossen schub voran gegeben. die bewegung, die ich, eliot und joyce in london initiierten, waere ohne den futurismus nie in gang gekommen“ und definierte den „vortex“ als „einen ort maximaler energie“. doch anders als marinetti, der etwa in seinem roman mafarka le futuriste die geschwindigkeit, den krieg und die metamorphose des menschen in eine maschine feierte, hat epstein seine skulptur von anfang an als kritik an den ent-menschlichenden tendenzen der modernen welt verstanden:

„here is the armed, sinister figure of to-day and to-morrow. no humanity, only the terrible frankenstein’s monster we have made ourselves into.“

man vergleiche hierzu etwa folgende aussage marinettis:

„der krieg ist schön, weil er dank der gasmasken, der schreckenerregenden megaphone, der flammenwerfer und der kleinen tanks die herrschaft des menschen über die maschine begründet. der krieg ist schön, weil er die erträumte metallisierung des menschlichen körpers inauguriert. Der krieg ist schön, weil er eine blühende wiese um die feurigen orchideen der mitrailleusen bereichert. der krieg ist schön, weil er das gewehrfeuer, die kanonaden, die feuerpausen, die parfums und verwesungsgerüche zu einer symphonie vereinigt. der krieg ist schön, weil er neue architekturen, wie die der großen tanks, der geometrischen fliegergeschwader, der rauchspiralen aus brennenden dörfern und vieles andere schafft …

der futuristische traum wurde wirklichkeit: im ersten – modernen – weltkrieg fand ein grossteil seiner generation den tod. epstein verwandelte seine skulptur daraufhin in einen einarmigen torso. in den materialschlachten des krieges ist sogar der roboter invalide geworden.

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