höherer schwindel I

in einem brief, den der dadaist walter serner an seinen verleger paul steegemann schrieb, heisst es:

„Dichtung ist und bleibt ein, wenn auch höherer, Schwindel. Ich lege Wert darauf, das zum ersten Mal ausgesprochen zu haben. Menschen gestalten, heißt: sie fälschen.“

im august 1942 wurde der dichter deportiert und anschließend ermordert. die vernichtungsmaschine der nationalsozialisten, die nur einen, uniformen menschentypen gestalten/fälschen wollte, duldete keine abweichungen von der norm.

dennoch bleibt zu fragen, ob der mensch nicht auf irgend eine form von „höheren schwindel“ angewiesen ist. als ein sonst „deutungsloses zeichen“ muss er sich selbst gestalten und belügen. seine identität ist zwar nur ein spiel, aber ein notwendiges. vor dem abgrund seines wesens bewahrt ihn nur der höhere schwindel der dichtung: „obéissez à vos porcs qui gouvernent, je me soumets à mes dieux qui n’existent pas.“ (rené char)

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