daseinsverfehlung

als der bildhauer arno breker (1900-1991) den journalisten andre müller nach den gründen für die abneigung fragte, die dieser seinen plastiken gegenüber empfand, antwortete müller ohne umschweife, dass es

„…die kalte, nekrophile ästhetik, das lächerliche posieren“ und  „die primitivität das ausdrucks…“

seinen, die ihn von diesen arbeiten entfremden. obwohl es versuche gegeben hat, brekers werk aus den verstrickungen der nationalsozialistischen ideologie herauszulösen und „für sich“ zu betrachten, bleibt zu bezweifeln, ob sich darin viel mehr als jene anthropologische vermessenheit findet, die in den jahren zwischen 1933 und 1945 kunst und politik ins unmenschliche verformte. auch auf den nazi-bildhauer josef thorak (1889-1952) trifft müllers urteil zu. man vergleiche etwa dessen plastik „kameradschaft“ von 1937:

 

…mit der plastik „zwei freunde“ von 1936, die der aus dem bauhaus-umfeld stammende künstlers gerhard marcks anfertigte:

thoraks figurenpaar wirkt in seiner übertriebenen männlichkeitsdarstellung grotesk und abstoßend. die scheinbar heroische haltung der beiden krieger ist nichts als eine leere pose. die gesamtwirkung ist zwar bedrückend, dennoch erwartet man fast die implosion dieser überspannten raumnahme.

die betrachtung von marcks jünglingen wirkt dagegen befreiend. der hier dargestellte idealismus erscheint menschlich und ehrlich empfunden. trotz ihrer zartheit wirken diese körper dauerhaft und maßvoll. einen solchen leib hatte stefan george wohl im sinn, als er dichtete:  „dein erdenleib dies enge heiligtum/die spanne kaum für eines arms umfassen/fängt alle sternenflüchtigen gedanken/und bannt mich in den tag für den ich bin“

das  vollständige gespräch zwischen breker und müller findet man unter: http://www.perlentaucher.de/artikel/3271.html

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3 Antworten zu daseinsverfehlung

  1. johann schreibt:

    breker mit thorak zu vergleichen ist ungerecht. aber unrecht wird ihm sowieso getan, müßig auf solche hetzartikel einzugehen.

    • gastonfebus schreibt:

      es geht hier ueberhaupt nicht um ein moralisches urteil sondern um aesthetik; brekers werke waeren auch ohne hitler grotesk und geschmacklos. aber wozu argumentieren wenn es sowieso „muessig“ ist?

  2. André schreibt:

    Breker hat ja auch gut auf die Mütze bekommen und es mangelte ihm stets die Souveränität zur überzeugenden Distanzierung gegenüber seiner NS-Zeit (in etwa: „Ich war immer unpolitisch und der Kunstgeschmack damals betonte eben das Gesunde der Natur.“ Gähn.). Dennoch: Seine Skulptur von Hitler weckt bei mir Assoziationen wie „Versagensangst“, „zermürbt“, „hoffnungslos“, obwohl es Breker natürlich ein Leichtes gewesen wäre, Hitler als unverwundbaren Weltenherrscher zu modellieren, und Brekers Anfänge (Romanichel) brachten ihm gehörigen Respekt und Bekanntschaft mit Rodin. Naja. Kein Mensch kann Projektionsfläche für einen Zeitgeist sein. Schade (tragisch) ist nur, wenn diesem Menschen retrospektiv jegliche Befreiung und Versöhnung unmöglich ist.


    http://www.van-ham.com/datenbank-archiv/datenbank/arno-breker.html

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