norbert von hellingrath

wenn der dichter friedrich hölderlin heute nicht mehr als der weltfremde realitätsflüchtling gilt, der er für die meisten seiner zeitgenossen war, so ist dies im wesentlichen seinem (wieder-)entdecker friedrich norbert theodor von hellingrath zu verdanken. diesem, aus dem umfeld des georgekreis stammenden, philologen gelang es durch die herausgabe von hölderlins späten hymnen und pindar-umdichtungen, das bild des dichter gerade zu rücken und dauerhaft zu festigen. aus dem rückwärtsgewandten antiken-schwärmer hölderlin wurde nun der in die zukunft weisende dichter-prophet. mit der bezeichnung der deutschen als dem „volke hölderlins“  beschrieb hellingrath keinen tatsächlichen zustand (aller chauvinismus lag ihm fern), sondern erhöhte den anspruch für das wagnis einer möglichen selbstbestimmung. mit den versen des sinngebenden dichters im gepäck ist er 1916 im ersten weltkrieg gefallen. stefan george hat norbert von hellingrath in seinem „neuen reich“  ein denkmal gesetzt:

NORBERT

Du eher mönch geneigt auf seinem buche
Empfandest abscheu vor dem kriegsgerät ..
Doch einmal eingeschnürt im rauhen tuche
Hast angebotne schonung stolz verschmäht.

Du spätling schienst zu müd zum wilden tanze
Doch da dich hauch durchfuhr geheimer welt
Tratst du wie jeder stärkste vor die schanze
Und fielst in feuer erd und luft zerspellt.

(George-GAW Bd. 9, S. 117)

bibliographie (auswahl):

Hellingrath, Norbert von: Pindar-Übertragungen von Hölderlin. Prolegomena zu einer Erstausgabe. Dissertation, Berlin 1910.

Hellingrath, Norbert von: Hölderlin-Vermächtnis. Eingeleitet und herausgegeben von Ludwig von Pigenot. 1. Auflage 1936, 2. vermehrte Auflage 1944, Verlag F. Bruckmann, München 1944.

Rainer Maria Rilke / Norbert von Hellingrath: Briefe und Dokumente. Herausgegeben von Klaus E. Bohnenkamp. Göttingen 2008.

Bruno Pieger: Eine Erfahrung mit Dichtung. Hellingrath als Leser des ‚Siebenten Rings’ und des ‚Sterns’. In: Wolfgang Braungart, Ute Oelmann, Bernhard Böschenstein: Stefan George. Werk und Wirkung seit dem ‚Siebenten Ring’. Max Niemayer Verlag, Tübingen 2001.

einige seiten aus helilingraths dissertation über hölderlins pindar-übertragungen finden sich unter: http://www.uni-due.de/lyriktheorie/texte/1911_hellingrath.html

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